Oliver Hanisch – CEO, Campus Founders

Oliver Hanisch

Oliver Hanisch ist Unternehmer, Business Angel und CEO der Campus Founders. Er gilt als Experte rund um Startups und Startup-Ökosysteme und ist gefragter Advisor, Mentor, und Investor. Oliver Hanisch gründete und verkaufte zahlreiche Startups und Unternehmen. In seinen 14 Jahren im Silicon Valley war er u.a. Mitgründer des German Accelerator. Seit 2019 leitet er Campus Founders und bildet werteorientiert die nächste Generation von verantwortungsvollen Gründer*innen und Innovator*innen aus. Im Karriere-Interview mit MANAGERS WAY spricht Oliver Hanisch über seine Schulzeit und seinen ersten Traumberuf, sein erstes Unternehmen, wichtige Entscheidungen und berufliche Ziele.

MANAGERS WAY: Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Oliver Hanisch: Neugierig, mutig, optimistisch.

Waren Sie ein guter Schüler? Und was war Ihr Traumberuf während der Schulzeit?

Meine Teenagerzeit war eher wild, geprägt vom Ausprobieren neuer Dinge und dem Austesten von Grenzen. Im Gymnasium hatte ich keine guten Noten, weil mein Fokus damals fernab der Schule lag. Das hatte sich dann verändert: Je älter ich wurde, desto besser habe ich meine Interessen und Stärken kennengelernt und entsprechend besser wurden meine Leistungen. Folgerichtig war ich ein sehr guter Student und konnte meinen Master sogar mit Auszeichnung abschließen.

Während der Schulzeit wollte ich Koch werden. Das war mein Traumberuf. Ich habe mir den Beruf so vorgestellt, dass ich den ganzen Tag experimentieren, viele Dinge ausprobieren und meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Dieses Setting gefiel mir. Koch bin ich nachweislich nicht geworden, aber auch als Gründer, Investor und heutiger Geschäftsführer probiere ich noch viel Neues aus und kann meine Kreativität ausleben.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Ich bin begeistert von der Dynamik in unserer Region und dem Ökosystem. Als Kopf der Campus Founders habe ich die Chance, wirklich etwas zu bewegen. Während meiner Zeit im Silicon Valley ist mir die Rückständigkeit der USA in vielen Punkten aufgefallen. Ich war stolz auf die Fortschrittlichkeit und Stärken Deutschlands: Technologie, Infrastruktur und das Umweltbewusstsein der Menschen. Seit ich wieder zurück bin, ist es genau andersrum. Ich sehe, dass sich Deutschland während meiner Zeit im Ausland deutlich langsamer weiterentwickelt hat. Es fehlt vielen Entscheidern an Entschlossenheit und dem Mut, Dinge konsequent zu verändern, um das Land voran zu bringen. Hier könnten wir viel weiter sein.

Deswegen schaffen wir bei den Campus Founders ein Umfeld, in dem etablierte Unternehmen, Studierende und Startups voneinander lernen, inspirieren und sich gegenseitig befruchten können. Ich will dazu beitragen, dass Deutschland nicht nur den Status quo beibehält, sondern die Zukunft noch aktiver mitgestaltet. Dafür bilden wir werteorientiert die nächste Generation von verantwortungsvollen Gründer*innen und Innovator*innen aus.

Welche konkrete Entscheidung aus Ihrer bisherigen Karriere würden Sie heute anders treffen?

Ich habe direkt nach dem Abitur mein erstes Unternehmen gegründet. Es war ein typisches Lifestyle Business – von Anfang an profitabel. Das hat mir als Student ein relativ sorgenfreies Leben ermöglicht.

Damals war ich vom Mindset nicht weit genug, um zu verstehen, dass ich viel zu klein denke. Ich habe die Chance verpasst, ein skalierbares Business-Modell zu entwickeln. Ich hätte mir gewünscht, frühzeitig einen guten Mentor zu finden, um die Lernkurve schneller zu durchlaufen, teure Fehler frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden und von Anfang an größer zu denken. Dann wäre mein Unternehmen vielleicht um ein Vielfaches erfolgreicher gewesen.

Das habe ich zwar erst wirklich verstanden, als ich in die USA gegangen bin. Diese Erfahrung hilft mir heute dabei meinen Beitrag zu leisten, das Startup-Ökosystem in Heilbronn zu einer der dynamischsten Regionen Deutschlands zu machen. Wir stellen unseren Startups erfahrene Mentoren an die Seite, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen.

Welche Eigenschaften sind am wichtigsten, um beruflich erfolgreich zu sein?

Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, für die Aufgabe zu brennen, Leidenschaft zu entwickeln und sich damit zu identifizieren. Ich folge zudem dem Motto “Life is a pitch”. Erfolgreiche Menschen sollten gut kommunizieren und begeistern. Sie brauchen zudem die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Es ist wichtig, dafür von guten Mentoren zu lernen und selbst einer zu sein. Denn gute Mentoren lernen von ihren Mentees oft genauso viel wie andersherum.

Welches Buch oder welche Person hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Das Buch “Start with Why: How Great Leaders Inspire Everyone to Take Action” von Simon Sinek hat mein Handeln nachhaltig geprägt. Sinek beschreibt sein Führungskonzept des “Golden Circle”, bestehend aus dem Why, dem How und dem What.

Eigentlich alle Menschen wissen, „was“ sie machen. Die meisten Menschen wissen auch, „wie“ sie etwas machen. Sie haben eine Strategie, um etwas zu erreichen. Wenn es aber um das „Warum“ geht, sieht es oft anders aus. Sinek erklärt anschaulich, warum erfolgreiche Organisationen mit der Frage nach dem Why und damit mit der gemeinsamen Vision und dem sinnstiftenden Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten starten.

Das geben wir bei den Campus Founders unseren Gründer*innen mit. Nur wer sein Why kennt und sagen kann, warum er ein Projekt oder Startup startet, geht die Dinge mit ausreichend Antrieb an und steht nach Rückschlägen wieder auf.

Welcher Moment war einer der wichtigsten in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Der wichtigste Entschluss war, nach Kalifornien zu ziehen und bei einem Startup zu arbeiten. Letztendlich blieb ich vierzehn Jahre im Silicon Valley, habe viel lernen dürfen und meinen Horizont erweitert. Ich habe den Spirit erlebt, das Mindset angenommen und verstanden, was es heißt, groß zu denken.

Mindestens genauso wichtig war die Entscheidung, wieder nach Deutschland zurückzukehren, um die Campus Founders aufzubauen. Dadurch, dass wir hier werteorientiert eine neue Generation von verantwortungsvollen Gründer*innen und Innovator*innen ausbilden, tragen wir dazu bei, die großen Lösungen der Zukunft mitzuentwickeln und für den Südwesten und das ganze Land die Zukunft aktiv mitzugestalten. Diese Möglichkeit wollte ich gerne wahrnehmen und habe diese Entscheidung nicht bereut. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir der Pazifik schon manchmal fehlt.

Haben Sie bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, um sich immer wieder neu zu motivieren?

Grundsätzlich langweilen mich Routinen sehr schnell. Wenn ich etwas gemacht habe und verstanden habe, wie es funktioniert, will ich etwas Neues lernen. Als tägliches Ritual laufe ich jeden Tag zu Fuß ins Office und wieder nach Hause. Ich nutze die Zeit zum nachdenken, telefonieren oder ich höre auch mal einen Podcast. So startet der Tag für mich aktiv und produktiv.

Welche Aus- oder Weiterbildung war die effektivste und sinnvollste für Ihre Karriere?

Ich habe am meisten gelernt aus meinen eigenen Gründungen. Keine Aus- oder Weiterbildung kann das ersetzen oder vermitteln. Die verschiedenen Kurse und Programme in Stanford und der University of California, Berkeley waren ebenso lehrreich für mich. Vor allem das Netzwerk war dort sehr wertvoll. Es ist wichtig, immer im Gespräch und Austausch mit anderen zu bleiben, um dazuzulernen. Dabei ist es egal, welche Ausbildung oder welches Studium wer absolviert hat.

Gibt es noch berufliche Ziele, die Sie erreichen möchten, oder Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?

Ich will dazu beitragen, Deutschland und Europa innovativer und zukunftsfähiger zu machen. Dafür braucht es dringend Veränderungen. Die Engstirnigkeit, aber auch Überregulierung und daraus entstehende Komplexität und mangelnde Geschwindigkeit Deutschlands sind für mich in vielen Bereichen nicht nachvollziehbar. Ich hoffe, dass ich es schaffe, dass sich die Forschung und etablierte Unternehmen weiter öffnen und besser zusammenarbeiten. Dazu müssen wir die Rahmenbedingungen für Startups verbessern. Erfolgreiche Startups können besser wachsen, wenn sie schnell, unbürokratisch und in einer frühen Phase die notwendigen finanziellen Möglichkeiten bekommen.


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