Moritz Mann – CEO & Gründer, Protofy

Moritz Mann

Moritz Mann ist CEO und Gründer von Protofy, einer Agentur, die es möglich macht, digitale Lösungen möglichst früh und effizient in den Markt zu bringen. Zudem ist er Gründer von Stadtsalat und hat damit eine Alternative zu lieferando und sonstigem Lieferessen erfolgreich aufgebaut. Im Karriere-Interview mit MANAGERS WAY spricht Moritz Mann über Fehlentscheidungen, Erfolgseigenschaften und seine weiteren beruflichen Ziele.


MANAGERS WAY: Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Moritz Mann: Pragmatisch, konsequent und analytisch.

Waren Sie ein guter Schüler? Und was war ihr Traumberuf während der Schulzeit?

Ich war eigentlich, im klassischen Sinne, nur ein durchschnittlicher Schüler. Ich habe mich während der Schulzeit mit meinem Rennrad eher als hauptberuflicher Sportler gesehen und war zufällig Vormittags in der Schule. Ich konnte mich trotzdem ganz gut ohne Hausaufgaben aber dafür mit mündlicher Mitarbeit, Diskussionsfreude und verantwortungsvollen Aufgaben wie Stufensprecher, Kassenwart, der Organisation von Veranstaltungen und so weiter in ein positives Licht bei meinen Lehrer*innen rücken. Dadurch war ich bei beim Lehrpersonal beliebt – gereicht hat es trotzdem nur für ein 3.0-Abi.

Mein Traumberuf war ganz lange Zeit Profisportler. Mit 18 habe ich mich entschieden, die professionelle Radsportkarriere nicht weiter zu verfolgen und mich ernsthaft auf mein anstehendes Studium zu fokussieren.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Ich lerne nahezu jeden Tag super viele spannende Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen kennen. In jedem Projekt wartet eine neue digitale Herausforderung und die Lernkurve ist extrem hoch.

Am meisten begeistert mich, dass ich die komplette Gestaltungsfreiheit für mein eigenes Berufsbild habe, egal ob in der kurzfristigen Planung oder in meiner Vision für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre.

Welche konkrete Entscheidung aus Ihrer bisherigen Karriere würden Sie heute anders treffen?

Ich bin mit meinem ersten Start-up Feelgood gescheitert. Wir waren damals nicht schnell genug am Markt und haben nicht pragmatisch genug agiert. Statt mit einem MVP (Minimum Viable Product) an den Markt zu gehen, haben wir mit einer umfassenden Web- und App-Entwicklung angefangen. Dann kam die Content-Produktion mit Fitness-Videoproduktion, und eine Strategieentwicklung mit Ernährungswissenschaftler*innen und unzähligen Meetings und, und, und hinzu. Wir hatten vergessen mal mit den Kund*innen zu forschen. Schauen, was sich gut und einfach in den Alltag integrieren lässt, welche Effekte dazu führen, dass Nutzer*innen dabei bleiben, oder aufhören. Wir wollten es gleich perfekt machen. Wir waren einfach zu verkopft.

Erst nach anderthalb Jahren waren wir am Markt und in Kontakt mit echten Kund*innen – von denen es zwar viele zahlende und auch zufriedene gab (inhaltlich hat das Konzept gut funktioniert), aber den Durchbruch haben wir nie geschafft.


Was wir stattdessen hätten machen sollen: Ein Prototyp, ein MVP. Beispielsweise: Erstmal nur einen PDF-Plan und eine Website mit Bezahl-Option. Damit starten, die ersten Kund*innen gewinnen. Mit ihnen lernen und optimieren. Nur das, was besteht, dann in wirkliche digitale Produkte (Website und App) weiterentwickeln. So macht es beispielsweise Caro Daur mit „daurpower“ sehr vorbildlich. Aus der Zeit, 2013-2014, habe ich extrem viel gelernt und so sind ja dann auch Protofy und Stadtsalat entstanden.

Welche Eigenschaften sind am wichtigsten, um beruflich erfolgreich zu sein?

Für mich steht da Pragmatismus an oberster Stelle. Es gibt ja viele, die sagen: „Meine größte Schwäche ist Perfektionismus“. Die meisten können nicht formulieren, was denn die positive Eigenschaft dazu ist. Für mich ist das: Pragmatismus. Es geht darum, schnell Entscheidungen zu treffen, das 80/20-Prinzip zu nutzen, statt sich in Details zu verlieren. Man muss in der Lage sein, schnell zu validieren, herauszufinden, was funktioniert und was nicht und sich dann auf Ersteres konzentrieren.

Dann kommt Resilienz. Jede*r Unternehmer*in – oder eigentlich generell jede*r – ist regelmäßig (!) Rückschlägen, Krisen und Fails ausgesetzt. Sei es eine Debatte, in der ich nicht vorankomme, ein abgesägtes Projekt, eine Beziehungskrise oder gar ein gescheitertes Unternehmen, das mich zurückwirft. Ich muss akzeptieren, dass immer etwas schiefgehen kann. Wer in der Lage ist, mit Krisen resilient, also widerstandsfähig umzugehen, schafft es positiv und produktiv aus der Krise heraus.

Eine wichtige Eigenschaft, die nicht fehlen darf, ist Mut. Es ist wichtiger, sich zu trauen, als Dinge kaputt zu denken.

Welches Buch oder welche Person hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Da gibt es drei, die mich wirklich nachhaltig beeinflusst haben.

Tony Hsieh mit „Delivering Happiness“: Hier geht es um Service- und Kundenzentrierung. Wenn Unternehmen sich nur um die Optimierung ihrer Prozesse und kurzfristiger Gewinne kümmern, verlieren sie häufig ihre Kund*innen aus den Augen! Nur wenn wir die Erwartungen unserer Kund*innen übertreffen, entstehen Verbindungen und Loyalität, die langfristig viel wertvoller sind. Das Buch sollte jede*r Unternehmer*in und auch Manager*in gelesen haben.

Dann ist da noch Christian Weisbach und sein Buch „Professionelle Gesprächsführung“. Ein recht nüchtern anmutendes Sachbuch – aber das hat es in sich. Er schreibt darüber, wie wertschätzende Kommunikation dein Gegenüber in den Mittelpunkt stellt und dessen Perspektiven und Emotionen einbezieht. Auch das war für mich ein wichtiges Learning: Wer wertschätzend kommuniziert, streitet und diskutiert nicht – verschwendet also weniger Energie und erreicht trotzdem die eigenen Ziele.


Zum Schluss ein Buch, das wirklich jeder kennen und gelesen haben sollte – nicht nur Unternehmer*innen: John Strelecky „The Big Five for Life“. Ich habe mich erst mit Anfang 30 gefragt, was am Ende meines Lebens mal geschehen sein soll. Dieses Buch inspiriert, genau darüber nachzudenken. Strelecky beschreibt, dass man jeden Tag und jede Sekunde sein Lebensmuseum füllt und wirft die Frage auf, was denn am Ende in diesem Museum zu sehen sein soll. Es regt an, achtsamer zu werden, vielleicht auch mal bewusst Museumstage zu schaffen und hilft definitiv, den Blick über den überschaubaren Zeitraum hinaus zu werfen.

Welcher Moment war einer der wichtigsten in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Das war die, glaube ich, mutige Entscheidung, meine erste Position nach dem Studium als Intrapreneur bei PokerStrategy.com anzunehmen. Wenn ich mich mit meinen Kommilitonen vergleiche, war das echt eine untypische Entscheidung. Klar, es gab viele andere wichtige Momente und schöne Ereignisse. Mich hat genau diese Entscheidung zum Unternehmer gemacht, dort habe ich mein Gründerteam kennengelernt, und es hat mich darin bestätigt, einen Werdegang abseits der Norm anzustreben.

Haben Sie bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, um sich immer wieder neu zu motivieren?

Auch hier sind es eigentlich wieder drei Sachen. Zum einen ein monatliches Personal Coaching. Das biete ich auch allen Mitarbeiter*innen an, weil es jeden Einzelnen, und somit das gesamte Team weiter bringt.

Dann gibt es bei uns quartalsweise OKR-Zyklen mit dem ganzen Team. Als Organisationsmethode ist das ja bekannt und beliebt. Der Vorteil liegt darin, dass wir unsere Vision/Mission fokussieren und uns ganz radikal auf das konzentrieren, was darauf einzahlt. Alles andere lassen wir weg. Ziele werden transparent und die Erfolge messbar. Es hat aber auch rein als Ritual etwas Kraftvolles für das Team: Wir schwören uns regelmäßig wieder auf das gemeinsame Ziel ein.

Ganz wichtig ist für mich, einen Ausgleich zum Job zu haben. Ich mache fünf bis sechs Mal pro Woche Sport, da bekomme ich den Kopf frei und es tut meinem Körper gut. Was ich als Ausgleich auch mag, sind Spaziergänge. Hier bekomme ich nochmal einen anderen Blick auf die Welt.

Welche Aus- oder Weiterbildung war die effektivste und sinnvollste für Ihre Karriere?

Die sinnvollste Ausbildung war mein Studium. Das hat mich in erster Linie Selbstorganisation, hohe Arbeitslast, Quellenkompetenz und Teamwork gelehrt. In der Zeit meiner Radsportkarriere habe ich gelernt, was Motivation und Zielstrebigkeit sind. Das sind für mich die Grundlagen, die ich von „Früher” mitgenommen habe.

Die effektivste Form der Weiterbildung ist für mich Personal Coaching im professionellen Kontext. Diese Coaching helfen mir, mich zu motivieren und weiterzuentwickeln. Meine Fähigkeiten zu Resilienz und Reflektion werden hier unwahrscheinlich gestärkt.



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Gibt es noch berufliche Ziele, die Sie erreichen möchten oder Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?

Klar, ich stehe ja noch am Anfang meiner Karriere! Da ist noch viel Luft nach oben. Mir ist es wichtig, unabhängig und frei zu handeln – dafür entwickle ich das bestmögliche Umfeld. Ich möchte Projekte entwickeln, die einen Impact haben, Lösungen für echte Probleme generieren. Der digitale Turnaround in Unternehmen liegt mir am Herzen und ich habe auch noch ein paar neue Projekte im Kopf.


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