Kerstin Hochmüller – CEO, Marantec Company Group

Kerstin Hochmüller

Kerstin Hochmüller ist CEO der Marantec Company Group. Das Familienunternehmen Marantec entwickelt seit 1957 Antriebs- und Steuerungssysteme. Seit dem Einstieg von Kerstin Hochmüller und dem Aufbrechen vorhandener Strukturen ist das Unternehmen schneller, digitaler und agiler geworden. Im Karriere-Interview mit MANAGERS WAY spricht sie über ihren ersten Berufswunsch, ihre beruflich wichtigsten Momente und ihre persönlichen Ziele.


MANAGERS WAY: Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Kerstin Hochmüller: Kreativ, optimistisch, willensstark.

Waren Sie eine gute Schülerin? Und was war ihr Traumberuf während der Schulzeit?

Ich war, ehrlich gesagt, eher mittelmäßig. Ich war als Kind sehr still, hab eher beobachtet anstatt zu reden. Heute weiß ich, dass meine Fähigkeiten einfach nicht zu den klassischen Schulfächern und dem Bewertungsschema passten. Trotzdem habe ich sehr viel mitgenommen. Ich habe für mich gelernt, dass es auf das Vorgehen ankommt. Es ist wichtig, Sachverhalte zunächst zu verinnerlichen und neutral wiederzugeben, mehrere Thesen zu diskutieren und erst anschließend persönlichen zu bewerten. Das ist für mich bis heute ein hilfreiches Lebenskonzept.

Mein erster Berufswunsch war Kriminalbeamtin. Vielleicht war das so, weil mein Vater Polizist war. Ich wollte unbedingt Verbrecher dingfest machen. Vor allem die, die sich nur mit sehr viel Gespür, Menschenkenntnis und mutigen Aktionen entlarven lassen. Dann habe ich mich komplett umorientiert und wollte Creative Directorin einer Werbeagentur werden. In der Zeit habe ich viel geschrieben, gezeichnet und fotografiert. Das mit dem Zeichnen und Malen habe ich aber schnell aufgegeben, nachdem ich einige Kellerwände in unserem Haus vollgepinselt und für alle Freunde die Einladungskarten für Geburtstagsfeiern gestaltet habe, ob sie wollten oder nicht. (lacht) Sprache und das Visuelle begeistern mich aber bis heute und sind immer wieder in meinem Alltag zu finden.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Dass ich gestalten kann! In meiner Rolle als Geschäftsführerin der Marantec Company Group habe ich die Möglichkeit, eine Vision unserer Zukunft zu kreieren und diese gemeinsam mit vielen anderen Menschen Schritt für Schritt umzusetzen.

Ich empfinde den Wandel, in dem wir uns wirtschaftlich und gesellschaftlich gerade befinden als riesige Chance. Gerade weil wir durch den enormen und schnellen technologischen Wandel gezwungen sind, uns radikal zu verändern.

Diesen Wandel in einem technischen Familienunternehmen mit internationaler Ausrichtung kreativ gestalten und vorantreiben zu können, motiviert mich jeden Tag. Dabei treffe ich immer wieder auf viele spannende Menschen, mit denen ich mich austauschen kann und mit denen ich arbeiten darf. Das begeistert mich! Es ist eine super aufregende Zeit, um Unternehmerin sein zu können.

Welche konkrete Entscheidung aus Ihrer bisherigen Karriere würden Sie heute anders treffen?

Ich würde keine anderen Entscheidungen treffen, aber ich würde deutlich schneller entscheiden. Oft wusste ich schon, was ich als nächstes machen möchte oder auch wie ich es machen möchte, habe aber trotzdem noch eine ganze Weile gezögert, den Schritt auch wirklich zu gehen. Teilweise habe ich das gemacht, weil ich gedanklich einige Runden gedreht habe, um selber daran zu glauben, dass ich es kann. Manchmal habe ich aber auch aus Rücksicht auf die, die mit der Konsequenz meiner Entscheidung leben mussten, gezögert.


Welche Eigenschaften sind am wichtigsten, um beruflich erfolgreich zu sein?

Zu wissen, wer man ist und was man will! Und dann muss man sich konsequent, mutig und beharrlich auf den Weg machen. In dem Zusammenhang zitiere ich immer wieder gerne ein Gedicht von Jochen Mariss: „Drei Wünsche. Die Gabe, nie zu vergessen, was du warst, den Mut, das zu sein, was du bist, die Kraft, das zu werden, was du sein möchtest.“

Irgendwo braucht man auch die Fähigkeit zu Träumen, um sich die Träume dann auch erfüllen zu können. Menschen, die eine klare Vorstellung davon haben, was sie wollen, sind überzeugend und bekommen dafür Vertrauen und Förderungen. Das stärkt sie nicht nur, sondern lässt sie gleichzeitig auch wachsen. Wenn man weiß, was man will, beschäftigt man sich auch automatisch mit den richtigen Dingen und lernt fast automatisch, was man braucht, um das zu tun, was einen wirklich bewegt.

Welches Buch oder welche Person hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Da gibt es im Laufe meines Lebens mittlerweile viele. Ich mag alle von Yuval Noah Harari. Dadurch hat sich für mich ein größerer Blick auf die Welt und mein eigenes Ich ergeben. Viele Zusammenhänge werden einem klar, wenn man Hararis Bücher liest. Und dann ist da noch Günter Faltins „Kopf schlägt Kapital“ Das Buch zeigt sehr eindrucksvoll, dass man eigentlich alles erreichen kann, es kommt nur auf einen selbst an.

Ich lasse mich aber auch von Menschen beeinflussen, die etwas Großes bewegen (Steve Jobs, Elon Musk, Jean-Claude Junker, Angela Merkel, Joachim Löw, Jupp Heynckes, Greta Thunberg) und gute Kommunikation und Design, das Großes sichtbar macht.

Welcher Moment war einer der wichtigsten in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Da gibt es im Wesentlichen drei Momente und immer waren es solche, in denen ich, aus meiner persönlichen Perspektive, radikale Entscheidungen getroffen habe.

Der erste Moment war der, als ich entschieden habe, meinen Job bei der August Storck KG zu kündigen und mich mit einer Marketing- und Design-Agentur selbständig zu machen. Ich habe komplett bei Null angefangen. Ich hatte keine Kunden und nur wenig Geld. Aber ich hatte die Vision, kleinen und mittelständischen Unternehmen mit meinen Marketingfähigkeiten zu Sichtbarkeit und interessanten Stories zu verhelfen und zwar gerade denen.

Der zweite Moment war, als ich 2013 meinen jetzigen Job angenommen habe. Mit einem komplett neuen Führungskonzept und einer Vision für unser Unternehmen, die nur mit einer umfassenden Transformation zu erreichen sind. Praktische Erfahrungen, dass das geht und wie genau man das anstellt, hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich hatte „nur“ die Idee und den Ehrgeiz, unsere Unternehmenswelt zu verändern.


Der dritte Moment war im letzten Jahr. Gemeinsam mit einem Unternehmer und mittlerweile guten Freund, haben wir uns entschieden, eine Initiative für Mittelstandsunternehmer ins Leben zu rufen. Ganz konkret haben wir eine Plattform und ein Programm entwickelt, über das Unternehmer*innen sich vernetzen und gemeinsam mit Startup-Unternehmern*innen ihr individuelles Transformationsmodell erarbeiten. Keine Theorie, kein best practices, sondern machen. Das ist unserer Erfahrung nach das, was Mittelstandsunternehmen jetzt brauchen. Die Initiative heißt „Unternehmerherz“, geht jetzt an den Start und wir haben die Vision, damit Synonym für ein neues Wirtschaften zu werden. Die Erfahrungen und Begegnungen, die ich alleine im letzten Jahr machen durfte, haben mich schon jetzt nachhaltig weiter verändert.

Haben Sie bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, um sich immer wieder neu zu motivieren?

Ich habe die schöne Gabe, mich an Kleinigkeiten erfreuen zu können. Und wenn ich mich freue, bin ich auch immer motiviert. Da reichen ein paar Worte oder Gesten, ein Blick in unsere schöne Natur oder eine entspannte Autofahrt um mich wieder top zu motivieren.

Außerdem ist Sport für mich sowohl Ausgleich als auch Motivator. Beim Rennradfahren, wenn die Fitness stimmt, und Pilates kann ich entspannen, fühle mich körperlich fit und hin und wieder reagiere ich mich damit auch ab. Zu spüren, dass man immer weiter und höher kommt, das ist für mich Motivation pur.

Manchmal ist eine Prosecco-Kur aber auch die Lösung. (lacht)

Welche Aus- oder Weiterbildung war die effektivste und sinnvollste für Ihre Karriere?

Mein MBA-Studium. Das habe ich erst relativ spät gemacht, nach meinem Erststudium und vielen Jahren Berufserfahrung. Dadurch konnte ich alle Studieninhalte reflektieren und ein visionäres Bild einer für mich perfekten Organisation entwickeln.

Und, ich durfte die spannendsten und tollsten Mitstudenten/innen kennenlernen, die man sich vorstellen kann. Sie haben mich nachhaltig geprägt, mir klar gemacht dass man jedem Menschen offen und ohne Vorurteile begegnen und sich von jeder Begegnung inspirieren lassen kann und sollte.



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Gibt es noch berufliche Ziele, die Sie erreichen möchten oder Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?

Aber klar! Mein aktuelles berufliches Ziel ist es, unser Unternehmen zum „coolsten Antriebshersteller“ zu machen, mit glücklichen und motivierten Mitarbeitern*innen, tollen Kooperationen und innovativen Produkten für unseren Kunden.

Darüber hinaus liegt mir natürlich auch die Initiative „Unternehmerherz“ am Herzen. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, unsere Welt zu verändern und damit unsere Freiheitlichkeit und Demokratie zu wahren.


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