Finja Kütz – Group Chief Transformation Officer, UniCredit

Finja Kuetz UniCredit

Finja Kütz ist Group Chief Transformation Officer und Deputy COO der UniCredit Gruppe sowie seit 2020 Mitglied des Aufsichtsrats der UniCredit Bank AG. Im Karriere-Interview mit MANAGERS WAY spricht sie über ihr Studium, ihre Karriereschritte, über Unabhängigkeit und Herausforderungen.

MANAGERS WAY: Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Finja Kütz: Innovativ, Zielstrebig, Emphatisch. Klingt nach erfolgreicher, moderner Managerin, oder? Ist aber Blödsinn: ich lasse mich ungern in Schubladen stecken und glaube nicht, dass irgendjemand sinnvoll mit drei Worten beschrieben werden kann. Und wenn ich in verschiedenen Situationen und Zusammenhängen unterschiedlich agiere, bin ich trotzdem ich und mir treu.

Waren Sie eine gute Schülerin? Und was war ihr Traumberuf während der Schulzeit?

Ich war solide – mit deutlichen Ausreißern nach unten. Warum ich Vokabeln pauken sollte, ohne die Sprache anzuwenden, hat mir zum Beispiel nicht eingeleuchtet. Nachdem meine Neugier mich dann in der 11 Klasse drei Monate nach Kanada gebracht hat, ging es ganz einfach mit den Vokabeln. Spaß haben mir in der Schule immer die Themen gemacht, die ich logisch erschließen oder argumentieren konnte. Lange wollte ich Schriftstellerin werden; habe dann aber doch Logik und Kreativität kombiniert und Mathematik studiert.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Es inspiriert mich, Dinge zu verändern und neu zu denken. Beispielsweise neu zu denken, wie eine Bank die Bedürfnisse ihrer Kunden noch besser adressieren kann, angepasst an die Bedürfnisse von heute und mit Blick auf die Trends, die vielleicht morgen relevant werden. Dann konkret dabei mitzuwirken diese Ideen umzusetzen und tatsächlich dank neuer Technologien und Methoden bessere Lösungen bereitzustellen, ist großartig. Und am besten ist, dass man nie fertig wird! Jede neue Lösung eröffnet wieder neue Möglichkeiten.

Welche konkrete Entscheidung aus Ihrer bisherigen Karriere würden Sie heute anders treffen?

“Was wäre wenn“ treibt mich nicht um. Die wichtigen Entscheidungen schienen jeweils richtig zu ihrer Zeit und jede hat mir irgendeine neue Perspektive eröffnet. Und wenn es im Nachgang zu einer Entscheidung schwierig war (und das ist es in jeder langen Karriere ja mehrfach), dann war das immer eine konkrete Herausforderung, die gelöst werden muss, um weiter zu gehen und das Beste daraus zu machen.

Welche Eigenschaften sind am wichtigsten, um beruflich erfolgreich zu sein?

Es wird unterschiedliche Rezepte geben und keine „Magic Sauce“. Für mich ist wichtig, zu jedem Zeitpunkt wenige wichtige Themen zu identifizieren, auf die ich meine Aufmerksamkeit konzentriere. Nicht immer war der erste Anlauf erfolgreich. Doch dann kam ein zweiter oder dritter Anlauf. Man sollte flexibel nach alternativen Lösungen suchen, das Ziel aber im Auge zu behalten.

Außerdem ist mir immer wichtig gewesen unabhängig zu sein. Mein Mann und ich haben beispielsweise immer beide voll gearbeitet und unseren Ausgaben so gemanagt, dass jederzeit einer eine Weile hätte aussetzen können. Das hat dazu geführt, dass ich meinen Beruf immer als etwas sehr freiwilliges und positives angesehen habe, was mich sehr motiviert hat. Gleichzeitig hat das für mich die Chance geschaffen, voll zuzugreifen und Risiken eingehen zu können.

Welches Buch oder welche Person hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Die wichtigste Person in meinem Leben ist mein Mann. Unsere jeweiligen Wege gehen wir gemeinsam.- Da kommt so schnell kein Buch ran.

Welcher Moment war einer der wichtigsten in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Es gab immer wieder Momente in meiner Karriere, an denen ich aktiv den nächsten Schritt eingefordert habe. Das war oft schmerzhaft, aber entscheidend. Es war wichtig für mich, mich klar zu artikulieren. Auch war ich in den meisten Positionen die erste Frau und damit für mein Umfeld nicht selten „unerwartet“. “Unerwartet“ zu sein brachte einige Herausforderungen, aber auf jeden Fall auch gewisse Vorteile.

Haben Sie bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, um sich immer wieder neu zu motivieren?

Nein. Ich kann nicht leben ohne Möglichkeiten und Veränderung zu suchen. Wenn mal etwas richtig frustriert, braucht es vielleicht ein Wochenende mit langem Spaziergang und Gespräch um es zu verarbeiten. Doch ist die Kröte geschluckt, suche ich wieder Lösungen, um meine Ziele zu erreichen und weiterzukommen. Allein die Überzeugung, dass eine Lösung möglich ist, motiviert mich, weiter daran zu arbeiten.

Welche Aus- oder Weiterbildung war die effektivste und sinnvollste für Ihre Karriere?

Mein Studium der Mathematik und mathematischen Logik war bei weitem die längste und herausforderndste Ausbildung, die ich gemacht habe. Herausfordernd, weil Mathematik ständig von einem verlangt alte Denkmuster über Bord zu werfen und den Mut zu haben im kalten Wasser Neues zu entdecken und verstehen. Damit hat das Studium mich und mein Denken ungemein geformt. Ich kann kaum noch eine Definition oder Sätze aus dem Studium aufsagen. Aber die Ansätze, um Strukturen zu erkennen und Lösungen zu entwickeln, sind geblieben.

Gibt es noch berufliche Ziele, die Sie erreichen möchten oder Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?

Wir stehen vor der riesigen Aufgabe, unsere Wirtschaft nachhaltig zu gestalten. Ökologisch und gesellschaftlich haben wir große Herausforderungen zu bewältigen. Das beschäftigt mich sehr.


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