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Digitalisierung strategisch steuern: Fünf Handlungsfelder für das Management

12 Min.Von Managers Way Redaktion

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Digitale Technologien können Prozesse beschleunigen, Kosten transparenter machen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Doch zwischen der Einführung einer Software und einer erfolgreichen digitalen Transformation liegt ein wesentlicher Unterschied: die strategische Steuerung. Führungskräfte müssen entscheiden, welche Veränderungen wirtschaftlich sinnvoll sind, wie unterschiedliche Unternehmensbereiche zusammenarbeiten und welche Voraussetzungen für eine nachhaltige Umsetzung geschaffen werden müssen. Fünf Handlungsfelder helfen dabei, Digitalisierung als unternehmerische Aufgabe zu gestalten und Investitionen gezielt auf betriebliche Ziele auszurichten.

1. Strategische Ziele definieren und Prioritäten setzen

Digitalisierung beginnt mit einer unternehmerischen Entscheidung, nicht mit der Auswahl einer Technologie. Bevor Unternehmen in neue Software, Automatisierung oder digitale Infrastruktur investieren, sollten sie klären, welches konkrete Problem gelöst werden soll.

Dabei ist zwischen technologischen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Anforderungen zu unterscheiden. Eine neue Plattform kann beispielsweise große Datenmengen verarbeiten. Ob diese Fähigkeit einen Mehrwert schafft, hängt jedoch davon ab, welche Entscheidungen sich dadurch verbessern lassen.

Für die strategische Planung empfehlen sich drei grundlegende Fragen:

  • Welche Geschäftsprozesse verursachen derzeit besonders hohe Kosten, Verzögerungen oder Qualitätsprobleme?
  • Welche messbaren Verbesserungen sollen durch digitale Lösungen erreicht werden?
  • Welche Projekte leisten den größten Beitrag zu den langfristigen Unternehmenszielen?

Ein produzierendes Unternehmen könnte beispielsweise die Reduzierung ungeplanter Anlagenstillstände priorisieren. Ein Dienstleistungsbetrieb möchte möglicherweise administrative Abläufe vereinfachen oder Informationen zwischen Abteilungen schneller verfügbar machen.

Entscheidend ist, solche Ziele in überprüfbare Kennzahlen zu übersetzen. Durchlaufzeiten, Fehlerquoten, Betriebskosten oder Anlagenverfügbarkeit liefern konkrete Anhaltspunkte für die spätere Erfolgskontrolle.

Eine Digitalisierungsstrategie sollte außerdem zwischen kurzfristig umsetzbaren Verbesserungen und langfristigen Veränderungen unterscheiden. So entstehen realistische Prioritäten, die sowohl operative Anforderungen als auch die strategische Unternehmensentwicklung berücksichtigen.

2. Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen klären

Digitalisierungsprojekte betreffen häufig mehrere Unternehmensbereiche gleichzeitig. Produktion, IT, Controlling, Einkauf und Geschäftsführung verfolgen dabei unterschiedliche Interessen. Während die IT beispielsweise auf Systemstabilität und Datensicherheit achtet, stehen für die Produktion Anlagenverfügbarkeit und effiziente Abläufe im Vordergrund.

Diese Perspektiven müssen zusammengeführt werden. Andernfalls entstehen isolierte Lösungen, die zwar innerhalb einzelner Abteilungen funktionieren, aber keinen durchgängigen Nutzen für das Unternehmen schaffen.

Das Management sollte deshalb früh festlegen, wer welche Entscheidungen verantwortet. Dazu gehören die strategische Projektleitung, fachliche Ansprechpartner, Budgetverantwortliche und die Zuständigkeiten für technische Schnittstellen.

Besonders bei größeren Vorhaben bietet sich ein bereichsübergreifendes Steuerungsgremium an. Dort können Zielkonflikte besprochen, Investitionsentscheidungen vorbereitet und Abhängigkeiten zwischen Projekten sichtbar gemacht werden.

Wichtig ist außerdem eine klare Unterscheidung zwischen fachlicher Verantwortung und technischer Umsetzung. Führungskräfte müssen nicht selbst entscheiden, welche Steuerungstechnik oder Softwarearchitektur eingesetzt wird. Sie müssen jedoch sicherstellen, dass die technischen Entscheidungen mit den betrieblichen Anforderungen übereinstimmen.

Auch externe Dienstleister sollten in diese Verantwortungsstruktur eingebunden werden. Zuständigkeiten für Dokumentation, Änderungen, Abnahmen und spätere Wartung gehören möglichst bereits in die Projektplanung.

Klare Entscheidungswege und agile Organisationsstrukturen können Abstimmungsprobleme reduzieren und die Grundlage dafür schaffen, dass Digitalisierung nicht an organisatorischen Grenzen scheitert.

3. Daten, Systeme und technische Schnittstellen gemeinsam betrachten

Eine zentrale Herausforderung der Digitalisierung ist die Integration bestehender Systeme. In vielen Unternehmen sind über Jahre unterschiedliche Softwarelösungen, Maschinensteuerungen und technische Anlagen entstanden, die nicht immer reibungslos miteinander kommunizieren.

Wer neue Anwendungen einführt, ohne die vorhandene Infrastruktur einzubeziehen, riskiert zusätzliche Datensilos und aufwendige Schnittstellenlösungen. Deshalb sollte zunächst eine technische Bestandsaufnahme erfolgen: Welche Daten entstehen in den einzelnen Prozessen? Wo werden sie gespeichert? Welche Systeme müssen darauf zugreifen können? Und welche Informationen sollen zwischen Maschinen, Produktionsplanung und kaufmännischen Anwendungen ausgetauscht werden?

Besonders in Industrieunternehmen kommt es auf das Zusammenspiel von Informationstechnologie (IT) und operativer Technologie (OT) an. Maschinensteuerungen, Produktionsanlagen und übergeordnete Managementsysteme müssen technisch und organisatorisch aufeinander abgestimmt sein. Dabei umfasst Automatisierungstechnik von Experten häufig mehrere aufeinander aufbauende Bereiche, darunter Engineering, Schaltanlagenfertigung, Softwareentwicklung und die technische Betreuung im laufenden Betrieb.

Bei der Auswahl technischer Lösungen sollten Unternehmen daher auf Integrationsfähigkeit, klar dokumentierte Schnittstellen und langfristige Wartbarkeit achten. Ebenso wichtig sind verbindliche Vorgaben für Datenqualität, Zugriffsberechtigungen und IT-Sicherheit. Denn eine stärker vernetzte Infrastruktur kann zusätzliche Angriffsflächen schaffen, wenn Sicherheitsanforderungen nicht von Anfang an in die Planung einfließen.

Technologische Entscheidungen sollten deshalb nicht isoliert anhand einzelner Funktionen getroffen werden. Maßgeblich ist vielmehr, wie gut sich eine Lösung in die bestehende Systemlandschaft einfügt, mit anderen Komponenten zusammenarbeitet und langfristig zuverlässig betreiben lässt.

4. Mitarbeitende einbeziehen und digitale Kompetenzen entwickeln

Technische Veränderungen beeinflussen nahezu immer auch Arbeitsabläufe und Verantwortlichkeiten. Neue Software verändert beispielsweise, wie Informationen dokumentiert, Entscheidungen vorbereitet oder Aufgaben zwischen Abteilungen verteilt werden.

Deshalb reicht es nicht aus, Beschäftigte erst kurz vor der Einführung einer neuen Anwendung zu schulen.

Erfolgreiches Veränderungsmanagement beginnt bereits während der Planung. Mitarbeitende, die täglich mit den betroffenen Prozessen arbeiten, können wertvolle Hinweise auf praktische Anforderungen und mögliche Schwierigkeiten geben.

Führungskräfte sollten transparent vermitteln, weshalb eine Veränderung notwendig ist und welche Auswirkungen sie auf bestehende Tätigkeiten hat. Dabei geht es auch darum, Erwartungen realistisch zu gestalten. Digitalisierung führt nicht automatisch zu einer sofortigen Entlastung. Während der Umstellung können zusätzliche Aufgaben entstehen.

Hilfreich sind Pilotprojekte, bei denen neue Lösungen zunächst in einem begrenzten Unternehmensbereich getestet werden. Die Erfahrungen aus dem praktischen Einsatz ermöglichen Anpassungen, bevor eine größere Einführung erfolgt.

Parallel sollte das Management den Qualifizierungsbedarf prüfen. Neben technischen Kenntnissen gewinnen beispielsweise Datenkompetenz, Prozessverständnis und die Fähigkeit zur bereichsübergreifenden Zusammenarbeit an Bedeutung.

Die Verantwortung für den Kompetenzaufbau liegt dabei nicht ausschließlich bei der Personalabteilung. Fachliche Führungskräfte müssen beurteilen können, welche Fähigkeiten ihre Teams künftig benötigen. Das beginnt bereits bei der betrieblichen Ausbildung, bei der digitale Werkzeuge die Planung, Dokumentation und individuelle Entwicklung unterstützen können.

Eine digitale Transformation ist deshalb immer auch eine organisatorische Veränderung. Ihre Wirksamkeit hängt wesentlich davon ab, ob Beschäftigte neue Systeme verstehen, akzeptieren und im Arbeitsalltag sinnvoll einsetzen können.

5. Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und langfristigen Betrieb steuern

Mit der technischen Inbetriebnahme ist ein Digitalisierungsprojekt noch nicht abgeschlossen. Ob sich eine Investition wirtschaftlich bewährt, zeigt sich häufig erst im laufenden Betrieb.

Dafür benötigt das Management geeignete Kennzahlen und regelmäßige Erfolgskontrollen. Bereits vor Projektbeginn sollten Ausgangswerte dokumentiert werden, damit spätere Veränderungen nachvollziehbar bleiben.

Neben den unmittelbaren Investitionskosten gehören laufende Aufwendungen für Software, Wartung, Schulungen und technische Anpassungen in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Ein zunächst günstiges System kann langfristig hohe Kosten verursachen, wenn Erweiterungen schwierig oder die Betreuung aufwendig sind.

Zunehmend relevant wird außerdem die Verbindung zwischen Digitalisierung und Energiemanagement. Digitale Systeme können Energieverbräuche erfassen, Daten verschiedener Anlagen zusammenführen und damit Ansatzpunkte für betriebliche Verbesserungen sichtbar machen.

Beispielsweise lassen sich Verbrauchsspitzen, ungewöhnliche Lastverläufe oder Unterschiede zwischen Produktionsbereichen analysieren. Voraussetzung sind geeignete Messpunkte und eine verlässliche Datengrundlage.

Die Erfassung solcher Daten führt allerdings nicht automatisch zu Energieeinsparungen. Erst aus der Auswertung und der anschließenden Umsetzung geeigneter Maßnahmen können wirtschaftliche oder ökologische Verbesserungen entstehen.

Auch nach Projektabschluss bleiben regelmäßige Überprüfungen erforderlich. Unternehmen sollten feststellen, ob die ursprünglich vereinbarten Ziele erreicht wurden, welche Anpassungen notwendig sind und ob neue betriebliche Anforderungen entstanden sind.

Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, welche digitalen Lösungen weiterentwickelt, auf zusätzliche Standorte übertragen oder durch andere Ansätze ergänzt werden sollten.

Digitalisierung als kontinuierliche Managementaufgabe verstehen

Die fünf Handlungsfelder zeigen, dass Digitalisierung weit über technische Investitionen hinausgeht. Strategische Ziele, klare Zuständigkeiten, integrierte Systeme, qualifizierte Mitarbeitende und wirtschaftliche Erfolgskontrolle müssen zusammenwirken.

Für Führungskräfte besteht die entscheidende Aufgabe darin, diese Bereiche dauerhaft miteinander zu verbinden. Dafür braucht es nachvollziehbare Entscheidungen, regelmäßige Abstimmungen und die Bereitschaft, eingeschlagene Wege anhand betrieblicher Ergebnisse zu überprüfen.

Unternehmen, die Digitalisierung auf diese Weise steuern, schaffen eine belastbare Grundlage für technische Weiterentwicklung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.